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Surfin' USA ab 2014

Text & Fotos: Enrico Stirl


St.George, welches im südwestlichen Zipfel Utahs liegt, ist ein beschaulicher, sauberer und freundlicher Ort. Für uns allerdings auch nur eine kurze Zwischenstation auf unserem weiteren Weg. Nach einer Nacht im Coronada Inn (das Zimmer bestand tatsächlich aus zwei Räumen, mit kleiner Küche) führt er uns am frühen Morgen weiter in östliche Richtung. Dabei gelangen wir durch Hildale / Colorado City. Ein Ort, geteilt durch die Grenze Utah / Arizona. Ursprünglich hieß der Ort Short Creek. Von den über 9.000 Einwohnern sind fast alle mormonische Fundamentalisten, welche sich die Abgeschiedenheit des Arizona Strips - welcher durch den Grand Canyon vom Rest Arizonas auf natürliche Weise getrennt ist - zu Nutze machen, um hier auch weiterhin der in den USA illegalen Polygamie nachgehen zu können. Der Alltag dieser Fundamentalisten wird in Jon Krakauers Buch "Mord im Auftrag Gottes" (Under the Banner of Heaven) beschrieben, einer Reportage über religiösen Fundamentalismus und die Geschichte der Mormonenkirche.
    

Im Bild links ist Hildale, der Teil der Stadt, welcher in Utah liegt, zu sehen. Hinter dem Ort erhebt sich die Canaan Mountain Wilderness.

    
Da man die Dinge immer von zwei Seiten betrachten sollte, fahren wir dieses Mal an den Nordrand des Grand Canyon. Dieser liegt auf über 2.400 m Höhe und somit 300 m höher als der Südrand. Während in Utah noch 104°F / 40°C herrschten, sind es hier am Vormittag angenehme 72°F / 22°C. Auch landschaftlich ist der Unterschied deutlich zu sehen. Dichte Nadelwälder prägen die Gegend.
Der Point Imperial (Panorama unten) ist mit 2.683 m der höchste Punkt des North Rim. Und für mich auch eine der schönsten Aussichten. Der Colorado ist vom Nordrand weiter entfernt als vom Südrand und deshalb nur an wenigen Punkten sichtbar.

Auf der gegenüber liegenden Seite, dem South Rim gibt es offensichtlich einen Waldbrand. Einen Tag vor diesem Besuch am North Rim ist vom ebenfalls gegenüber liegenden Ooh-AAh-Point (dieser befindet sich auf dem South Kaibab Trail) ein Frau versehentlich über einhundert Meter tief in den Canyon gestürzt und dabei tödlich verunglückt. Jedes Jahr kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen im Grand Canyon ums Leben. Es gibt auch ein Buch über die zahlreichen Todesfälle im Grand Canyon und ihre Hintergründe. Es heißt "Over The Edge: Death In Grand Canyon" und ist bislang nur auf Englisch erhältlich. Dennoch interessant zu lesen.

Im Bild unten rechts ist das Angels Window zu sehen. Wenn man durch dieses Fenster blickt, kann man ebenfalls den Colorado sehen. Wenn du auf das Bild klickst, kannst auch du ihn sehen.

    
Vom Grand Canyon geht es weiter nach Page. Auf dem Weg dorthin liegt die Navajo Bridge, welche den Marble Canyon überbrückt.
Fährt man vor der Brücke 5,5 Meilen (9 km) in nördliche Richtung gelangt man ans Ufer des Colorado, zu Lee's Ferry. Viele wissen nicht, woher der Name stammt. Auch hier hilft Krakauers Buch weiter. Der Name stammt von John D. Lee, einem hochrangigen Mitglied der Mormonenkirche, welcher 1857 maßgeblich am Mountain-Meadows-Massacre (bei dem über einhundert Siedler eines Planwagenzugs auf dem Weg nach Kalifornien massakriert wurden) beteiligt war. Um ihn dem Zugriff der ermittelnden US-Behörden zu entziehen, wurde er von seinem Adoptivvater und damaligen Führer der Mormonenkirche – Brigham Young – an jene Stelle hier verbannt (damals ein Ort fernab der Zivilisation) und richtete einen Fährbetrieb über den Colorado ein. Dennoch gelang es 1874 einem US-Marshal, Lee aufzuspüren und zu verhaften. Lee wurde vor Gericht gestellt und als Bauernopfer von der Mormonenkirche fallen gelassen. Obwohl neben Paiute Indianern und Lee noch weitere mormonische Milizmitglieder in das Massaker verstrickt waren, wurde Lee als Einziger zur Rechenschaft gezogen. Am 23.03.1877 wurde er am Ort des Massakers – welcher sich rund fünfzig Kilometer nördlich von St.George befindet - von einem Erschießungskommando hingerichtet.
Nur wenige Kilometer südlich vor Page macht der Colorado hier in 300 m Tiefe eine 270° Kurve, Horseshoe Bend genannt.


Der Hauptgrund, weshalb wir jedoch nach Page zurückkehren, liegt ein paar Kilometer östlich der Stadt. Hier, in der Navajo Reservation, hat das Wasser den Lower und Upper Antelope Canyon in das rote Gestein gefräst. Wir wollen uns den Upper Canyon anschauen. Man hat keinen freien Zugang sondern kann diesen nur mittels geführter Touren durch die Navajos begehen. Dazu bucht man am besten eine Tour auf navajotours.com. Man kann auch auf gut Glück direkt am Startpunkt der Tour vorbeischauen, läuft aber Gefahr, dann keinen freien Platz zu bekommen. In der Summe nicht ganz billig, aber was soll's. Nimmt halt mal der Rote Mann die Bleichgesichter aus. Wir haben die Tour um 11.00 Uhr gebucht, was mit die beste Uhrzeit für den Canyon ist. Warum, erklärt sich dann weiter unten.

    
    
Am Ausgangspunkt der Tour ist ein Parkplatz und man steigt um auf einen Pick-up, der einen dann ein paar Meilen über eine bucklige Sandpiste zum Eingang des Canyons (Bild rechts) bringt. Man darf keine Rucksäcke, Taschen oder Stative mitnehmen. Für Aufnahmen mit Stativ muss man eine Extratour buchen, welche pro Person $120 kostet. Es ist sehr windig und der feine Sand macht der Kamera ganz schön zu schaffen.


Die Antelope Canyons sind so genannte Slot Canyons, da sie im Inneren sehr schmal sind. Die Höhe des Upper Canyon beträgt gute vierzig Meter und er ist rund 400 m lang. Der Antelope Creek hat hier zauberhafte Formen im Sandstein geschaffen. Im Bild rechts scheint er eine Büste von George Washington erschaffen zu haben. Und um die Mittagszeit fallen durch die einzelnen Öffnungen Sonnenstrahlen in den Canyon ein, was für fantastische Bilder sorgt. Die Canyons sind nur bei Trockenheit begehbar. 1997 sind im Lower Canyon elf Touristen ertrunken, als Regenfälle eine Sturzflut im Canyon auslösten.

    
Man kann fotografieren, bis die Kamera glüht. Apropos glühen, die Farbe meiner Kreditkarte ist eigentlich blau, aber mit zunehmender Dauer des Urlaubs nimmt sie auch eine glühend rote Farbe an. Nachdem die Kamera ausgeglüht hat, fahren wir zurück nach Las Vegas und verbringen hier die restlichen Tage. Diesmal haben wir unser Zimmer im Hotel Stratosphere Tower. Als Hotelgast kann man mit seinem Room Key jederzeit kostenlos auf den Turm hoch fahren. Seit einiger Zeit gibt es als weiteren Nervenkitzel den Sky Jump. Aus 252 m Höhe kann man in die Tiefe springen. Das hat sogar einen Eintrag in Guinness Buch gebracht. Definitiv nix für mich! Lustig waren zwei junge deutsche Burschen auf dem Turm, von denen einer zu seinem Kumpel meinte: "Also ich würde ja schon springen, aber mir ist das jetzt einfach zu teuer!" Ja, genau! ;-)
    
Vor zwei Jahren habe ich über das Thema Amerika und Schusswaffen noch gelächelt. Dank der Irren von der Spree hat sich meine Einstellung dazu inzwischen geändert. Und so gehen Ricardo und ich ins Battlefield Las Vegas, welches sich gleich direkt hinter dem Circus Circus befindet. Man kann aus den unterschiedlichsten Waffen wählen, einzeln oder als Package. Selbst eine MPi 69, eine Ende der 1960er in Suhl entwickelt und hergestellte Kleinkaliber-Maschinenpistole ist im Angebot. Klar greifen wir hier zu und testen diese. Auch ein M16 wird von uns getestet sowie eine Walther P22. Dafür, dass er noch nie mit echten Waffen geschossen hat ist Ricardo ein guter Schütze und selbst mit Dauerfeuer versemmelt er nur einen Schuss.
Anschließend haben wir uns noch einen ausreichenden Vorrat an Mayonnaise besorgt. Sollte jetzt bei uns ein Krieg ausbrechen sind wir - wie man sieht - bestens vorbereitet.
Und so geht auch dieser Urlaub dann seinem Ende entgegen. Der CTS muss schweren Herzens zurück zum Rental Car Center zurückgebracht werden und hat jetzt 2.623 km mehr auf dem Tacho als bei der Abholung. Um 16.05 Uhr fliegen wir pünktlich mit einem A320 und United nach San Francisco, von dort mit Lufthansa in einem A340 nach München und zu guter Letzt mit einem CRJ900 nach Dresden.
In der Galerie gibt es noch einige schöne Bilder (vor allem vom Antelope Canyon) dieser Reise zu sehen.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

und
hier eine Fahrt mit dem CTS den gesamten Strip entlang (in Deutschland kann dieses Video nur mit Proxtube u.ä. gesehen werden, da es wegen der Musik, die im Autoradio läuft in Deutschland gesperrt wurde).

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